Jahresrückblick 2025:
Unfreiwillig glücklich selbstständig
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Manche Jahre lassen sich leicht zusammenfassen: viel Arbeit, ein paar schöne Momente, ein bisschen Alltag. Und dann gibt es Jahre, die fühlen sich an wie ein Knoten im Seil des Lebens – unbequem, spannungsvoll, aber letztlich tragend. 2025 war für mich so ein Jahr.
Es begann eigentlich schon im Sommer 2024 mit der Kündigung meiner Musikschul-Honorarstelle, die mir den Boden unter den Füßen wegzog. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr sicher, was vorher selbstverständlich schien. Ich musste mich neu sortieren, neu entscheiden, neu glauben. An mich, an meine Fähigkeiten, an Wege, die ich mir vorher nicht zu gehen getraut hatte.
Dieses Jahr war geprägt von Anstrengung und Ausdauer, von Zweifeln und Hoffnung, von sehr praktischen Fragen – und von großen inneren Bewegungen. Es war ein Jahr, in dem ich viel gearbeitet habe: an meinem Beruf, an meiner Gesundheit, an meinen Ideen. Und es war ein Jahr, in dem mir klar geworden ist, dass Freiheit kein romantisches Konzept ist, sondern eine Haltung, zu der man mit aller Konsequenz "Ja" sagen kann.
Ich habe erlebt, wie unfreiwillige Veränderungen zu selbstgewählten Wegen werden können. Wie aus Druck Bewegung entsteht. Wie Wachstum oft dort beginnt, wo man es sich nicht ausgesucht hätte. Und wie wichtig es ist, den eigenen inneren Kompass ernst zu nehmen – auch wenn der Weg dadurch unbequemer wird.
Dieser Jahresrückblick ist mein Versuch, all das festzuhalten: die Brüche, die Lernprozesse, die Erfolge und die Dankbarkeit. Nicht als perfekte Erfolgsstory, sondern als ehrliche Momentaufnahme eines Jahres, das mich ein gutes Stück weiter zu mir selbst geführt hat.
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Der Schock kam schon im Juli 2024: Drei Tage vor den Sommerferien wurde mir aus heiterem Himmel im Zuge der Umwandlung von Honorarstellen in Festanstellungen meine Honorarstelle an einer Musikschule, an der ich mich wohl gefühlt habe, gekündigt. Von einem Moment auf den anderen brach etwa die Hälfte meines Einkommens weg.
Seitdem habe ich gestrampelt, um den Kopf über Wasser zu halten. Zum Glück hatte ich noch meine Privatschüler – aber die finanzielle und emotionale Unsicherheit war enorm.
Zunächst habe ich mich verzweifelt auf alles beworben, was halbwegs passte – und auch auf vieles, was eigentlich nicht passte. Im Umkreis von bis zu 100 Kilometern. Alle Pisten verliefen im Sand, obwohl es immer wieder so aussah, als könnte es klappen: Verfahren wurden abgebrochen, Informationen spät oder gar nicht mitgeteilt, eine Stelle wurde geteilt, da zwei Bewerberinnen gefallen hatten; anderes passte wirklich gar nicht und ich war letztendlich froh, dass der Krug an mir vorüberging. Auch die Gewinnung neuer Privatschüler erwies sich als schwierig, besonders, da ich monatelang in Bewerbungsverfahren steckte und einfach nicht wusste, wohin die Fahrt geht. Immerhin: Ich schaffte es, den Status quo zu halten.
Es hat mich über ein Jahr gekostet, bis ich zu einer entscheidenden Erkenntnis gekommen bin:
Ich liebe es, selbstständig zu sein. Ich bin unglaublich gern mein eigener Herr. Ich liebe meinen Beruf – und ich habe unendlich viele Ideen, die ich am liebsten in Eigenregie umsetze, ohne für eine Institution stehen zu müssen, mit der ich mich nicht vollständig identifiziere.
Der Durchbruch kam schließlich über eine Anzeige auf Kleinanzeigen. Eine Großfamilie ganz in meiner Nähe wurde auf mich aufmerksam. Mit einem ganzen Unterrichtsnachmittag und acht neuen Schülern konnte ich ab November meine freiberufliche Lage nicht nur stabilisieren, sondern ausbauen. Ich wurde herzlich aufgenommen und fühle mich in diesem neuen Umfeld wertgeschätzt.

Mein Online-Business ist aktuell noch ein „teures Hobby“. Anfang 2023 hatte ich an einem Online-Kurs bei Sigrun teilgenommen und dort die Grundlagen des Online-Business kennengelernt. Damals habe ich einen Gratis-Kurs für Kolleginnen und Kollegen angeboten, in dem ich meine patentierte Notenlesehilfe isiQuint vorgestellt habe.
Auf dieser Basis habe ich kontinuierlich weitergearbeitet:
Mein Online-Kurs zu isiQuint ist inzwischen komplett überarbeitet und mit umfangreichen Materialien ergänzt. Er ist ein wunderbarer Einstieg, um isiQuint und seine kreativen Möglichkeiten im Anfangsunterricht kennenzulernen.
Ich habe weitere Kurse entwickelt – zum Beispiel einen völlig kostenlosen Kurs über den isiQuint-Notenlesetrick – und einen Kurs über vier unterschiedliche Zugänge zur Notenschrift im Anfangsunterricht. Weitere Ideen sind in Arbeit: Unter anderem plane ich einen Kurs zur Musiktheorie aus der Perspektive eines Geigenspielers. Für Schüler, die Noten zunächst als Spielanweisung lernen, kann Musiktheorie später ein echter Erkenntnisgewinn sein und muss unbedingt hinzukommen, sobald die nötige intellektuelle Reife vorhanden ist. Dieser Übergang erfordert Einfühlungsvermögen und ein tiefes Verständnis für die kindliche Logik – besonders bei einem quintenbasierten Instrument, das keinen intuitiven Zugang zum Verständnis des Oktav-basierte Theoriesystems unterstützt.
Inhaltlich habe ich intensiv gearbeitet, alles ist auf meiner neu erstellten Website zu finden. Und doch: Irgendetwas hakt noch. Mein Angebot wird bisher nicht richtig angenommen – oder vielleicht nicht gefunden. Vielleicht geht es ja in 2026 voran: isiQuint soll bekannt werden, um den Anfangsunterricht zu erleichtern - ihn erfolgreich machen und Spaß für Schüler und Lehrer bringen. Ganz ehrlich: Ich liebe meinen Anfangsunterricht, am liebsten in kleinen Gruppen. Wir lachen, spielen, entdecken... und das ist der Unterricht, bei dem Geigespielen und Notenlesen wie von alleine entstehen.
Ich glaube fest an isiQuint und sein revolutionäres Potenzial: Es ist logisch, flexibel, individuell anpassbar – und voller kreativer Möglichkeiten. Ich bin überzeugt: Es wird sich durchsetzen.

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Nie hätte ich gedacht, wie viel Zeit, Arbeit und Durchhaltevermögen es kostet, ein Notenheft zu veröffentlichen. Umso dankbarer bin ich dem Holzschuh-Verlag, dass er sich auf dieses Abenteuer eingelassen hat – nachdem andere Verlage mir zuvor abgesagt hatten.
Und nun ist es da: Mein erstes Notenheft mit isiQuint "Mit der Geige durch das Jahr". Erhältlich in jedem gut sortierten Notengeschäft oder online. Meine Anfängerschüler haben es sich sofort besorgt, das Foto von mir auf der Rückseite genau inspiziert und die ersten Lieder selbstständig ausprobiert.
Die Zusammenarbeit mit dem Verlag war unglaublich bereichernd. Es war großartig, mit Herrn Sieblitz jemanden an der Seite zu haben, der sich tief in die Idee hineindenkt und mit dem man sowohl große Visionen als auch kleinste Details besprechen kann. Heute sehe ich dem Heft an, dass wirklich jedes Detail durchdacht ist: große Noten, sinnvolle Zeilenumbrüche, klare 4-Takt-Perioden – alles optimiert für kindgerechtes Notenlesen durch Spielen.
Besonders viel Freude machte die Gestaltung des Covers. Verlagsleiter Herr Halbig persönlich war mein Sparringspartner. Gemeinsam entwickelten wir Ideen, die von der Grafikerin wunderbar umgesetzt wurden. Herausgekommen ist ein farbenfrohes Jahreszeitenlieder-Heft, das die Kinder lieben.
Nun wünsche ich mir, dass es seinen Weg zu vielen Kindern und Kolleginnen findet – und den Anfangsunterricht nachhaltig erleichtert.

Ich habe lange gezögert, dieses Thema öffentlich zu teilen. Doch es hat mein Jahr 2025 so stark geprägt, dass ich es nicht auslassen kann – auch wegen der Parallelen zum Geigenunterricht.
Noch nie zuvor hatte ich ein Fitnessstudio betreten. Seit September 2024 – und damit das gesamte Jahr 2025 – trainiere ich dort zwei- bis dreimal pro Woche intensiv. Die Alternative wären Medikamente gewesen, die ich möglichst vermeiden will.
Ich hoffe, dass meine Bemühungen nicht nur meine Fitness steigern, sondern auch den gewünschten Effekt auf meine Knochendichte haben. Rückblickend sage ich manchmal: Eigentlich hätte mir nichts Besseres passieren können als diese Diagnose. Mit der sprichwörtlichen Pistole auf der Brust bin ich zu einer Konsequenz fähig geworden, die ich sonst vermutlich nie erreicht hätte.
Ich profitiere auf ganzer Linie: mehr Kraft, mehr Stabilität – und ein geweckter sportlicher Ehrgeiz. Wie bei allem, worin man sich entwickeln kann, ist der Flow nicht fern. Genau hier liegt die Parallele zur Geige: Ausdauer, Geduld, Rückschläge aushalten, Zeit geben zum Wachsen. Ich weiß jetzt, dass ich „Fitnessstudio lebenslänglich“ habe – und bin neugierig, was das in zwei, fünf oder zehn Jahren mit mir gemacht haben wird.
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Das Leben ist schön. Und viel zu kurz, um in Situationen zu verharren, die einem nicht entsprechen.
Ausdauer führt zu Zielen. Mut und Entdeckerlust öffnen neue Horizonte.
Ich glaube, ich habe langsam meine Kinderschuhe ausgezogen – und werde erwachsen. Mit Neugier, Lernlust und einer langen Liste guter Vorsätze für 2026.
Auf meine beiden Kinder, die zu eigenständigen Menschen heranwachsen. Hier wäre viel zu erzählen, aber das müssten sie schon selbst tun. Mamas Blog ist da nicht der richtige Ort...
Auf mein Notenheft und die Erfindung von isiQuint – mit der Hoffnung, dass daraus eine wachsende Reihe wird und die Lesehilfe von vielen angenommen wird. Viele Ideen warten bereits darauf, aus der Schublade ans Licht zu kommen.
Auf meine sportlichen Fortschritte und den Mut, neue Wege zu gehen. Danke an meinen Trainer Luca vom Fitnessstudio Kehl für die tolle Unterstützung!
Auf meine Rückkehr zum Joggen – dank Laufschule im Steinhof in Oberkirch bei Matthias, der mir mit Geduld, Ermutigung und immer neuen Ideen die richtige Lauftechnik vermittelt hat.
Auf meine regelmäßige Zusammenarbeit mit Christophe im „Studio Chapelle“ nahe Straßburg, gleich auf der anderen Rheinseite. Dort arbeiten wir gemeinsam an Themen rund um Online-Business: Ich profitiere von seinem fundierten Wissen über künstliche Intelligenz, er von meinem konkreten Business als praxisnahes Testfeld. Dabei erlebe ich immer wieder staunend die Leistungsfähigkeit von KI – von Textarbeit über Strukturierung, Interpretation und Brainstorming bis hin zu Datenbanken und neuen Tools. Es fühlt sich manchmal fast wie Zauberei an: ein Klick, und in Sekundenschnelle entstehen brauchbare Ergebnisse. Dieses Staunen geht für mich jedoch Hand in Hand mit einer wachen, kritischen Haltung gegenüber den Risiken und Herausforderungen, die KI auf vielen Ebenen mit sich bringt.
- Auf meinen Anfangsunterricht mit isiQuint bin ich besonders stolz. Das fröhliche, bewegte Unterrichts-Setting lädt zum Entdecken und Ausprobieren ein und lässt sich ganz auf die jeweiligen Kinder ausrichten. Immer besser gelingt es mir, die Kinder so zu führen, dass sie selbst auf musikalische Zusammenhänge kommen, sich öffnen und kreativ werden. Oft bringen sie mir sogar eigene, erfundene Lieder mit – möglich durch die Lesevorstufe von isiQuint, die das Notieren eigener Ideen erlaubt. Da isiQuint von der Logik quintengestimmter Instrumente ausgeht und nicht von oktavbasierter Theorie, wird die „Logik des Kindes“ zum Leitfaden: Was ihr entspricht, geht leicht, alles andere ist mühsam. Die oft überraschend verschlungenen, aber in sich vollkommen logischen Ideen der Kinder zu verstehen, macht mich jedes Mal aufs Neue stolz.
- Auf meine unglaubliche Puppenstubensammlung aus den 50er und 60er Jahren. Ich liebe diese Mini-Welt, die 1:12 die Welt widerspiegelt, in die ich 1967 hineingeboren wurde. Hier kannst du Bilder aus meiner Sammlung sehen, die auf dem tollen Blog von Astrid Keusemann veröffentlicht worden sind.

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Meine wichtigste Entscheidung war, meine Selbstständigkeit aktiv anzunehmen. Aus der Opferrolle auszusteigen und aus einer unfreiwilligen Situation eine selbstgewählte zu machen.
Um diesen Weg zu festigen, werde ich 2026 ein Business-Coaching bei Max Frankl beginnen – um meinen Geigenunterricht online wie offline stabil aufzustellen. Rückblickend denke ich: Diesen Schritt hätte ich schon viel früher gehen dürfen.
Manchmal muss das Schicksal ein wenig nachhelfen, damit man zu seinem Glück findet.
Für warmes Duschwasser am Morgen, stellvertretend für alle anderen "kleinen" Dinge", die man so selbstverständlich hinnimmt.
Für Musik, Freundschaften, Ferien in unserem Häuschen in der Bretagne, alte und neue Verbindungen.
Für meine Geige und meine Rückkehr in die "Mucken-Szene" mit regelmäßigen Konzerten
Heute fühlt es sich an, als wäre das Kap umschifft.
