Ein kleines Rädchen mit großer Wirkung – der Platz von isiQuint auf dem Weg zum Musiker

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Vor Kurzem schrieb mir eine erfahrene Geigenpädagogin, dass isiQuint innerhalb ihres umfassenden Konzepts zum Notenlesen nur einen winzigen Teil ausmachen würde. 

Ich konnte ihren Einwand gut verstehen. Tatsächlich beschäftigt sich isiQuint mit einem sehr begrenzten Bereich des musikalischen Lernens. Doch dieser Gedanke brachte mich dazu, die Perspektive noch einmal zu erweitern.

Denn das Notenlesen selbst ist ja wiederum nur ein Teil dessen, was einen Musiker ausmacht.

Was macht einen Menschen zum Musiker?

Musikalisches Können hat viele Facetten: inneres Hören, Rhythmusgefühl, musikalischer Ausdruck, Instrumentaltechnik, Improvisation, Zusammenspiel und vieles mehr.

Welche Fähigkeiten dabei im Vordergrund stehen, hängt auch davon ab, in welcher musikalischen Tradition sich jemand bewegt. In vielen Kulturen wird Musik vorwiegend durch Zuhören, Nachahmen und gemeinsames Musizieren weitergegeben. Die Notenschrift spielt dort kaum eine Rolle. In der westlichen klassischen Musik hingegen ist sie ein wichtiges Werkzeug, das den Zugang zu einem riesigen Repertoire eröffnet.

Musikalische Bildung umfasst also weit mehr als Notenlesen. Und keine einzelne Methode kann alle Bereiche gleichermaßen abdecken.

Und wo steht nun isiQuint?

isiQuint gehört ganz eindeutig in den Bereich Notenlesen. Aber selbst hier beschäftigt es sich nur mit einem Teilaspekt: der Orientierung in den Tonhöhen. Die rhythmische Notation beispielsweise ist nicht Gegenstand von isiQuint.

Genauer gesagt setzt es an einer Schwierigkeit an, die mir in vielen Jahren Geigen- und Bratschenunterricht immer wieder begegnet ist.

Für Kinder, die gerade erst beginnen, ein Streichinstrument zu lernen, ist die traditionelle Notenschrift zunächst ein abstraktes System. Die fünf Notenlinien, die Tonhöhen und ihre Zuordnung zu den Saiten und Fingern müssen erst verstanden werden.

Häufig wird diese Schwierigkeit dadurch umgangen, dass Fingersatzzahlen über die Noten geschrieben werden. Das Kind kann mit dieser Hilfe zwar das Stück spielen, schaut die Noten selbst jedoch kaum an.

Hier setzt isiQuint an.

Durch farbige Orientierungslinien im Quintabstand wird die Struktur der Notenschrift mit der Struktur des Streichinstruments verbunden. Der Einstieg wird durch eine radikale Reduzierung der zunächst benötigten Informationen erleichtert. Von dieser überschaubaren Ausgangssituation aus wird das Lesen schrittweise aufgebaut.

Die Kinder können sich so von Anfang an im Notenbild orientieren, ohne auf Fingersatzzahlen angewiesen zu sein. Dabei wird die traditionelle Notenschrift nicht durch ein anderes Zeichensystem ersetzt.

isiQuint ist also ein spezialisiertes Werkzeug, das eine ganz bestimmte Einstiegshürde besonders wirkungsvoll abbaut.

Eine kleine Veränderung mit weitreichenden Folgen

Was geschieht, wenn ein Kind schon früh selbstständig Noten lesen kann?

Es kann sich unbekannte Stücke erschließen, zu Hause eigenständiger üben und leichter mit anderen zusammenspielen. Es muss nicht darauf warten, dass die Lehrkraft ihm jeden Ton erklärt oder die Fingersätze einträgt.

Damit öffnet die Fähigkeit des Notenlesens Türen zu vielen weiteren musikalischen Tätigkeiten.

Und wenn die Entschlüsselung des Notentextes weniger Mühe bereitet, bleibt mehr Aufmerksamkeit für das eigentliche musikalische Geschehen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Kind, das Noten lesen kann, damit schon musikalisch umfassend ausgebildet wäre. Inneres Hören, Rhythmusgefühl, Ausdruck und Kreativität müssen ebenso entwickelt werden.

Aber gerade hier bietet isiQuint eine interessante Offenheit: Ein gehörter Ton erhält ein leicht verständliches Zeichen, das sich mit unterschiedlichen musikalischen Inhalten verbinden lässt – mit der entsprechenden Saite und dem richtigen Finger, aber ebenso mit einer inneren Klangvorstellung oder beispielsweise mit relativen Solmisationssilben.

Welche Verbindungen die Lehrkraft besonders fördert, bleibt ihrem pädagogischen Konzept überlassen.

isiQuint kann so zu einem Beschleuniger auf dem Weg zur musikalischen Selbstständigkeit werden. Nicht weil es alle musikalischen Fähigkeiten vermittelt, sondern weil es eine wichtige Voraussetzung für zahlreiche musikalische Tätigkeiten früh verfügbar macht.

Nicht alles muss eine einzige Methode leisten

Ein guter Weg zum Notenlesen ersetzt nicht das Singen. Rhythmische Bewegung ersetzt nicht das instrumentale Üben. Improvisation ersetzt nicht die Auseinandersetzung mit notierter Musik.

Unterschiedliche pädagogische Werkzeuge können sich ergänzen, wenn wir verstehen, wofür sie jeweils geeignet sind.

Mein Ziel mit isiQuint war nie, ein vollständiges musikpädagogisches System zu entwickeln. Ich wollte ein Problem lösen, das ich im Anfangsunterricht immer wieder beobachtet hatte: Kinder sollten nicht erst jahrelang auf Fingersatzzahlen angewiesen sein, bevor sie die Notenschrift selbstständig nutzen können.

Was sie mit dieser neu gewonnenen Selbstständigkeit musikalisch anfangen, hängt von vielen weiteren Fähigkeiten, Erfahrungen und Anregungen ab.

Denn letztlich geht es nicht darum, möglichst früh möglichst viele Noten lesen zu können. Es geht darum, Musik zu entdecken, zu hören, zu verstehen, auszudrücken und gemeinsam mit anderen zu gestalten.

isiQuint ist ein kleines Rädchen im großen Gefüge musikalischer Bildung. Aber wenn dieses Rädchen gut funktioniert, kann es vieles andere in Bewegung setzen.